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Rudolf Geigy (1902–1995)Spross einer einflussreichen Familie |
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Was Fassaden erzählen: Rudolf Geigy wird 1902 in eine reiche Basler Industriellenfamilien hineingeboren. Die Geigys gehörten zur wirtschaftlichen und politischen Elite Basels. Ihr Name ist eng mit dem Pharmakonzern J. R. Geigy AG verknüpft, den die Familie aufgebaut hatte und der 1939 mit der Entwicklung von DDT die Bekämpfung tropischer Krankheiten revolutionierte. Rudolf Geigy hat sich gegen eine Karriere in der J. R. Geigy AG entschieden. Er war aber 38 Jahre lang Mitglied des Verwaltungsrates. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Homme de science |
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Nicht die Teppichetage der J. R. Geigy AG, sondern vor allem die Wissenschaft: Geigy studierte in Basel Zoologie unter Friedrich Zschokke, wechselte später dann zu Emile Guyénot nach Genf, der ihn stärker mit physiologischen Fragestellungen vertraut machte. Geigy's 1931 veröffentlichte Dissertation machte ihn auch international bekannt. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Naturschützer |
![]() Extracts of «Protected nature on Cousin Island, Seychelles» (1975) |
Vögel, Nashörner, Inselparadiese. Geigy engagierte sich mit Leib und Seele für den Naturschutz. Er gründete den «Hilfsfonds für die Vogelwarte Sempach», mit dessen Hilfe sich die Vogelwarte zu einer bedeutenden Forschungsinstitution entwickelte. Geigy unterstützte die Initiativen des World Wildlife Funds (WWF). Zwei Projekte lagen ihm besonders am Herzen: Das Nashorn-Reservat auf Java sowie die ornithologische Station auf Cousine Island auf den Seychellen. Geigy erwarb kurzerhand das Inselparadies, um es als Naturreservat für die Nachwelt zur erhalten. «Wenn wir unsere Welt schützen wollen, so müssen wir uns auch der Schönheiten dieses lebensspendenden Erdballs bewusst sein. Was für eine Vielfalt von Tieren und Pflanzen in ungezählten Arten und Variationen ist hier versammelt! Ihr unendlich variierter Bauplan, ihre Physiologie bis herab zu einzelnen Zelle mit ihren erstaunlich funktionierenden Organellensystemen, sie liefern uns Anregung zur Forschung ohne Ende.» (Rudolf Geigy, Erforschung der Natur im Feld und Laboratorium, in: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (wissenschaftlicher Teil), 150. Jahresversammlung in Basel, S. 9–20, 1970) |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Froschkönig |
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Sie scheinen sich bestens verstanden zu haben. Das leise Zwiegespräch lässt nichts anderes vermuten. Geigy hatte eine Vorliebe für rundliche Erscheinungen. Elefanten, Flusspferde, Erdferkel oder die etwas bescheidener auftretende Kröte waren Fixsterne in seinem intellektuellen Kosmos. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Humanist |
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Forscher und Humanist. 1945 charterten Geigy und sein Expeditionsteam ein Flugzeug und machten sich auf nach Westafrika. Sie bezogen ihre provisorischen Feldlabors und wurden bei wichtigen Forschergruppen in den belgischen und französischen Kolonien vorstellig. Einer der Höhepunkte der Expedition war der Besuch in Albert Schweitzers berühmtem Spital in Lambarene. Diese Visite war kein Zufall. Geigy stellte sich bewusst in die Tradition medizinischer Humanisten und signalisierte damit auch einen Anspruch des noch jungen Tropeninstituts. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Netzwerker |
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Mit dem französischen Botaniker Georges Mangenot durchs afrikanische Unterholz. Rudolf Geigy kannte keine Berührungsängste. Er knüpfte aktiv wissenschaftliche Kontakte zu europäischen und afrikanischen Forscherinnen und Forschern. Das gute Verhältnis zwischen Schweizer und Französischen Wissenschaftlern wurde 1951 mit der Gründung des Centre Suisse de Recherches Scientifiques (CSRS) an der Côte d'Ivoire besiegelt. Rudolf Geigy ermöglichte vielen jungen STI-Wissenschaftlern einen Forschungsaufenthalt am CSRS. Sie beackerten Fragen zur Zoologie, Ernährung, Naturschutzbiologie und der Landwirtschaft. Später wurden Gesundheitsthemen vermehrt relevant. Heute ist das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ein wichtiger Partner des CSRS. Das Centre hat sich zu einer wichtigen Forschungseinrichtung für die ganze Subregion entwickelt. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Feldforscher |
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Ein Hotspot der Schweizer Wissenschaft in Übersee: Das Swiss Tropical Institute Field Laboratory (STIFL) in Ifakara, Tansania. Von der schweizerischen Kapuziner-Mission ermöglicht. Tansania wurde Geigy und dem Tropeninstitut zur zweiten Heimat. Hier liessen sich die wichtigsten Tropenkrankheiten an Ort und Stelle untersuchen: Malaria, Schlafkrankheit, afrikanisches Rückfallfieber oder die Flussblindheit. Das STIFL hat sich über die Jahre in eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen in Afrika entwickelt. Es wurde sukzessive in tansanische Hände übergeben und 1996 in einen «trust» umgewandelt. Das Ifakara Health Institute (IHI) ist heute im ganzen Land präsent und leistet einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen übertragbare und chronische Krankheiten sowie zur Stärkung des tansanischen Gesundheitssystems. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Herr Warzenschwein – «Bwana Ngiri» |
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«Bwana Ngiri – Herr Warzenschwein». Was zunächst wenig schmeichelhaft klingt, wurde zur Eigenmarke und Identität. Geigy's Spitzname kam nicht von ungefähr. Angestachelt von der Frage, ob Warzenschweine ein Reservoir für das afrikanische Rückfallfieber darstellten, hatte Geigy zahlreiche Tiere aus ihren Erdlöchern in Tansania getrieben und wissenschaftlich untersucht. Die Hypothese liess sich nicht bestätigen. Der Übername aber blieb. |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Jäger |
| Ein sauberer Herzschuss. Geigy liebte die Jagd. Er erlegte Büffel und andere Bewohner der afrikanischen Steppe aus respektabler Distanz. «...und plötzlich sehe ich einen jungen Bullen, den der Landrover, ohne mein Wissen, von der Herde abgesprengt hatte, links im Feld stehen. Ich schwinge mich auf die Motorhaube, wir fahren dem Bullen entgegen und kurz darauf fällt er mit einem sauberen Herzschuss lautlos zusammen.» (Rudolf Geigy, Vom Vordringen ins Undurchdringliche, 1967) |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Rektor der Universität Basel |
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Spross für Spross die Karriereleiter hinauf. Zurück in Basel bekam Geigy 1935 einen Lehrauftrag für experimentelle Embryologie und Genetik an der Universität. Drei Jahre später wurden ihm die Rechte eines ausserordentlichen Professors, 1952 die eines ordentlichen Professors verliehen. Der Höhepunkt seiner universitären Laufbahn bildete das Amt eines Rektors, das Geigy 1962 bekleidete. In seiner Rektoratsrede «Sprung in die Selbständigkeit» beschrieb Geigy die afrikanische Dekolonisierung als einen unaufhaltsam fortschreitenden Prozess. Seine Antwort darauf: Entwicklungshilfe.
Rektoratsrede R. Geigy, 1962 «Der Sprung in die Selbständigkeit» |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Entwicklungshelfer |
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Entwicklungshilfe war Rudolf Geigys Antwort auf die Unabhängigkeit Tansanias. Seine Vision: die Ausbildung von Gesundheitspersonal und schliesslich eines Mittelstandes im ländlichen Tansania selbst. 1960 gründete er die Basler Stiftung zur Förderung von Entwicklungsländern, welcher wichtige Vertreter der Basler chemischen Industrie angehörten. Die Stiftung unterstützte das Rural Aid Center (RAC) in Ifakara, das tansanische „Barfussärzte" ausbildete. Die Nähe zum St. Francis Hospital und zum Feldlabor des Tropeninstituts, machte das RAC zu einem einzigartigen Ausbildungsplatz. Ifakara war der Beweis, dass sich die Kombination von Lehre, Forschung und Dienstleistungen auch im ländlichen Afrika erfolgreich umsetzen liess. Geigys Idee hatte Bestand: Noch heute wird die Ausbildung in Ifakara grossgeschrieben. Das von der Novartis Stiftung finanzierte Tanzanian Training Center for International Health (TTCIH) erinnert an Geigys frühe Initiative.
«Es gilt nun in erster Linie, eine Art geistigen Mittelstand zu schaffen, denn ein modernes, solides Staatsgefüge benötigt Tausende von Köpfen und Händen, in verschiedenster Richtung spezialisiert.» S. 18–19 (Rudolf Geigy, «Der Sprung in die Selbständigkeit. Entwicklungshilfe und Menschheitsproblem» Rektoratsrede gehalten an der Jahresfeier der Universität Basel am 23. November 1962) |
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Rudolf Geigy (1902–1995)Der Krimiautor |
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Eisig kalter Krieg. Die Welt zerteilt in Blöcken. Spionageversuche hüben wie drüben. So beginnt die Geschichte «Siri. Top Secret». Ein gelber Umschlag mysteriösen Inhalts wechselt die Besitzer. Wird er den Russen in die Hände fallen? Oder gar den Chinesen? Wie Geigy noch Zeit gefunden hatte, Spionagegeschichten zu schreiben bleibt eine Frage, auf die man von diesem kurzen Roman keine Antwort erwarten darf. Aber auch sonst bleiben etliche Rätsel ungelöst... |
R. Geigy-Stiftung
Socinstrasse 57, CH-4002 Basel
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